"Perfektionismus killt Realität!" (Eugen Simon)

Es muss perfekt sein!

heißt es so oft. Warum eigentlich? Warum muss für manche Menschen einfach alles, was sie tun, perfekt sein?

Perfekte Menschen, so wissen wir, gibt es doch nur im Film. Und gerade daran orientieren sich die selbst ernannten Perfektionisten - an Rollen. Sie stehen ständig unter dem Druck gut dazustehen. Sie müssen sich und anderen immer und überall beweisen, dass sie etwas wert sind oder sogar mehr als andere. Sie müssen inszenieren, um zu faszinieren. Mehr Schein als Sein leben.

Warum? Weil sie sich selbst anderen gegenüber als minderwertig fühlen, klein, geradezu lächerlich. Und aus diesem Grundgefühl heraus können sie auch nie mit ihrem Leben zufrieden sein, weder mit dem, was sie tun (so perfekt es auch sein mag), noch mit den Reaktionen aus ihrer Umwelt (wie wohlwollend und anerkennend diese auch sein mögen). Ihr Leben ist ein ständiger Kampf anerkannt zu werden, vor allem durch die eigenen Minderwertigkeitskomplexe (was aber nie geschehen wird). Diesen Kampf gegen sich selbst können sie nur verlieren.

Einmal angenommen, Sie sind ein solcher Mensch und machen etwas perfekt (das heißt vollkommen, fehlerlos), wen sonst interessiert das eigentlich? Die meisten Menschen in Ihrer Umgebung haben ohnehin eine wesentlich bessere Meinung von Ihnen als Sie selbst. Egal welche "Fehler" Sie auch haben mögen, Ihre Freunde mögen Sie so, wie Sie sind. 

 

Wie perfekt ist eigentlich "perfekt"?

Wir Menschen sind Individuen. Jeder hat seine eigene Sicht auf die Dinge. Mit anderen Worten:

Selbst wenn etwas für Sie perfekt erscheint, ist es noch lange nicht in den Augen eines anderen perfekt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Bedürfnis, etwas zum Besten eines anderen zu tun, das heißt anzunehmen zu wissen, was gut (oder perfekt) für ihn ist. Das können Sie nicht wissen.

Abgesehen von den eigenen Ansichten hat jeder Mensch seinen eigenen Entwicklungsweg, die alleinige Verantwortung für sein Leben und muss seine eigenen Erfahrungen machen.

 

Nichts und niemand ist perfekt.

Muss und darf es auch nicht! Wäre alles und jeder perfekt, so gäbe es keine Entwicklung mehr, kein persönliches Wachstum. Fehler sind Lernschritte, und nur durch diese Lernschritte gibt es Fortschritte. Sukzessive heißt Schritt für Schritt und daraus ergibt sich schließlich der Erfolg (engl. success). Es gibt zwar ständige Perfektionierung, aber nie das Perfekte.

Nicht nur die empirische Wissenschaft, sondern die ganze Entwicklung von Mensch und Natur basiert auf Versuch und Irrtum. Es ist also Unsinn, gegen die (eigene) Natur zu kämpfen, um "perfekt" sein zu wollen. Irren ist menschlich, und das ist gut so.

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