GASTARTIKEL: Bringt den Müll raus!

In einer Szene aus dem Film „Peaceful Warrior – Der Pfad des friedvollen Kriegers“ fordert Sokrates zu seinem Schüler Dan „Bring den Müll raus. Der ist es der dich von dem einzig wesentlichen da draussen abhält.“

Für mich sagt dieser Satz aus, was wir so oft in unserem Leben praktizieren. Wir beladen uns mit Dingen oder Tatsachen, belasten unseren Geist mit unnützem Wissen, das uns nicht ein Stück weiter auf unserem Weg bringt.  Mit diesem Wissen versuchen wir dann unser Ziel zu erreichen, unsere Augen, Ohren, unser Geist ist all zu oft verschlossen für die wahrhaften Dinge, die uns mühelos zum Ziel tragen. Wir mühen uns ab, sind nicht mehr aufnahmefähig und geraten dadurch in ein Hamsterrad. Weil wir es allen anderen recht machen wollen, verstricken wir uns in den Tätigkeiten, die diese von uns erwarten. Und verlieren unsere Eigenen Ziele und Wünsche aus den Augen. Beschränke Dich auf das Wesentliche – das ist für mich die Gleiche Aussage – nur mit anderen Worten.

Wir leben nicht für den Moment, sondern nur noch für Zukunft oder Vergangenheit.Einfach mal kurz verschnaufen und uns besinnen, ein paar kurze Atemzüge tun, um die Situation zu  analysieren und zu schauen, ob wir noch auf dem rechten Weg sind.

Bring den Müll raus – eine tiefgründige Erklärung, was dieser Satz bedeuten kann, findet sich für mich auch in der folgenden Geschichte:

Eines Tages kam eine Schülerin zum Meister. Sie hatte schon so viel von dem weisen Mann gehört, dass sie unbedingt bei ihm studieren wollte. Sie hatte alle Angelegenheiten geregelt, ihr Bündel geschnürt und war den Berg hinauf gekommen, was sie zwei Tage Fußmarsch gekostet hatte.

Als die junge Frau beim Meister ankam, saß der im Lotussitz auf dem Boden und trank Tee. Sie begrüßte ihn überschwänglich und erzählte ihm, was sie schon alles gelernt hatte. Dann bat sie ihn, bei ihm weiterlernen zu dürfen.

Der Meister lächelte freundlich und sagte: "Komm in einem Monat wieder."

Von dieser Antwort verwirrt, ging die junge Frau zurück ins Tal. Sie diskutierte mit Freunden und Bekannten darüber, warum der Meister sie wohl zurückgeschickt hatte. Einen Monat später, erklomm sie den Berg erneut und kam zum Meister, der wieder Tee trinkend am Boden saß.

Diesmal erzählte die Schülerin von all den Hypothesen und Vermutungen, die sie und ihre Freunde darüber hatten, warum er sie wohl fortgeschickt hatte. Und wieder bat sie ihn, bei ihm lernen zu dürfen.

Der Meister lächelte sie freundlich an und sagte: "Komm in einem Monat wieder."

Dieses Spiel wiederholte sich einige Male. Es war also nach vielen vergeblichen Versuchen, dass sich die junge Frau erneut aufmachte, um zu dem Meister zu gehen. Als sie diesmal beim Meister ankam und ihn wieder Tee trinkend vorfand, setzte sie sich ihm gegenüber, lächelte und sagte nichts.

Nach einer Weile ging der Meister in seine Behausung und kam mit einer Tasse zurück. Er schenkte ihr Tee ein und sagte dabei: "Jetzt kannst du hier bleiben, damit ich dich lehren kann. In ein volles Gefäß kann ich nichts füllen."

(Quelle: unbekannt) 

Für mich sagt die Geschichte aber noch einiges mehr aus. Auf spirituellem Weg müssen wir unseren Geist leeren, damit neue Ideen entstehen können, damit wir unser Unterbewusstsein wahr nehmen können, hören können, was es uns mit zu teilen hat. Das gelingt uns Besonders gut, wenn wir zur Ruhe kommen, wenn wir uns in der Meditation versenken. Durch die Stille sind wir Besonders aufnahmefähig für Neues. Loslassen von Altem schafft Platz für Neues.

Wir leeren unseren Geist und bringen so im wahrsten Sinne des Wortes den Müll raus und können uns dann auf das Wesentliche konzentrieren.

Eine kleine Übung, die euch dabei helfen kann, den Geist frei zu machen, ist die 2-Minuten Übung aus dem Yoga des Himalaya Instituts Deutschland.

Um zu entspannen und wieder zu sich selbst zu kommen hilft es, seinen Geist frei und leer von den Impulsen und Aktivitäten des Tagesgeschehens machen zu können. Auch bevor eine Gruppe zu arbeiten beginnt, sollte jeder Teilnehmer / jede Teilnehmerin die Gelegenheit erhalten, seinen / ihren Geist von den Impulsen und Bewegungen des Tagesgeschehens befreien und leer machen zu können, um seine Aufmerksamkeit auf das folgende Thema richten zu können. Dazu setzen wir uns auf einen Stuhl aufgerichtet und bequem hin mit den Füssen flach am Boden.

In der ersten Minute geben Sie Ihrem Geist die Möglichkeit, alle Gedankenbewegungen, Erinnerungen, Empfindungen und Bilder hervorbringen zu können, die ihn aus dem Tagesgeschehen oder der vergangenen Wochen noch beschäftigen. Stellen Sie sich dabei vor, dass Sie innerlich ein paar Schritte zurück treten und diese Bewegungen im Geist anschauen wie einen Film, ohne die einzelnen Bilder dabei festzuhalten. Lassen Sie sie gehen wie sie gekommen sind.

Sobald Ihr Geist einen Gedankenimpuls hervorgebracht hat, schauen Sie sich ihn an und geben ihm einen Namen und stellen dieses Thema wie ein Buch in ein Bücherregal. Sie versichern Ihrem Geist, dass Sie sich zu einer anderen Zeit ausführlich mit diesem Thema beschäftigen werden. Nach einer Minute wenden Sie Ihre geistige Aufmerksamkeit hin zur Nasenspitze und beobachten den Unterschied von Ein- zu Ausatmung in den Nasenflügeln. Dabei spüren Sie die etwas kühlere Luft in der Einatmung und die etwas wärmere Luft in der Ausatmung – sonst nichts. Wir stellen dabei fest, dass wir die Ein- und Ausatmung geschenkt erhalten, ohne dass wir irgend etwas dafür zu tun brauchen – von einer Kraft, die uns voll akzeptiert wie wir sind mit all unseren Stärken und all unseren Schwächen. Jede Einatmung ist eine neue Chance. Jede Ausatmung eine tiefe Reinigung und Befreiung.

Nach dieser Minute stellen Sie sich für die nächsten 10 Sekunden geistig auf die noch folgenden Themen des Tages ein und lösen sich aus dieser mentalen Entspannung.

Bevor Sie wieder anfangen zu arbeiten, können Sie sich noch kurz am ganzen Körper ausklopfen, beginnend bei den Schultern und Armen über den Brustkorb, die Bauchdecke, den Rücken, die Beine, Füße und Zehen und wieder hoch. Das entspannt die Muskulatur und belebt das zentrale Nervensystem. Jetzt können Sie mit Ihrer Arbeit entspannt und konzentriert beginnen.

Autor: Wolfgang Bischoff

Ich Selber nutze diese Übung regelmäßig vor Meetings und auch in meinen Seminaren.

Eine sehr interessante Literaturempfehlung habe ich dann zum Schluss auch noch für euch.

Es geht dabei um das Buch „Zen leben – Christ bleiben“ von Ruben Habito

Jesuit und Zen-Meister ist Ruben Habito und auf überzeugende Weise legt er in diesem Buch die tiefen spirituellen Gemeinsamkeiten und ethischen Verbindungslinien zwischen Buddhismus und Christentum dar, zwischen der Liebe Christi und der mitfühlenden Weisheit Buddhas. Inspiration und ideale Basis für einen ost-westlichen Dialog!

Auch in diesem Buch geht es zum Teil darum, unseren Geist zu leeren.

Weitere Beiträge zu ähnlichen Themen findet ihr natürlich auch auf meinem eigenen Blog.

Frank Ohlsen

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