GASTARTIKEL: Bleib locker – Wie Stress entsteht...

... und wieder vergeht

Überforderung am Arbeitsplatz, Konflikte mit den Nachbarn oder auch finanzielle Sorgen können den Organismus erheblich belasten. Sind berufliche und soziale Stressoren häufige Auslöser von Stress, können auch physikalische Stressoren wie eine hohe Lärmbelastung oder ökologische Stressoren wie enger Wohnraum Ursachen von Stress sein. Dem Stressforscher Lazarus zufolge, ist Stress dabei nicht mit einem Personen- oder Umweltreiz gleichzusetzen, sondern als relationales Konzept zu verstehen.

Wann entsteht Stress?

Nach dem transaktionalen Stresskonzept von Lazarus entsteht Stress in Folge einer als herausfordernd, bedrohend oder schädigend eingeschätzten Situation, die als die eigenen Ressourcen beanspruchend oder übersteigend wahrgenommen wird. Stress geht somit immer ein Bewertungsprozess voraus. Ob eine als stressrelevant eingeschätzte Situation erfolgreich bewältigt werden kann, variiert mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen und Bewältigungsstrategien.

 

Als Copingstrategien werden dabei akkomodative und assimilative Strategien der Bewältigung unterschieden. Wird im Rahmen des „problem-focused-coping“ als akkomodative Strategie eine Bewältigung durch Veränderung der Umweltbedingungen angestrebt, zielt die assimilative Strategie, das „emotion-focused coping“, auf eine Anpassung an den Stressor ab. So könnte ein Schüler, der aufgrund einer unsicheren Versetzung in die nächsthöhere Klassenstufe Stress empfindet, diesen durch Inanspruchnahme von Nachhilfeunterricht reduzieren und so aktiv auf die als stressreich empfundene Situation Einfluss nehmen. Im Rahmen einer assimilativen Strategie könnten bewertungsbezogene Copinghandlungen wie das Akzeptieren der Situation „Eine Ehrenrunde hat noch niemanden geschadet“ zur Stressreduktion beitragen. Der Umgang mit Stress ist aber zu lernen, es werden stets mehr Kurse zum Stressmanagement angeboten.

 

Langfristige Beeinträchtigungen durch Stress

Verfügt eine Person jedoch nicht über ausreichend Ressourcen und Copingfähigkeiten, kann Stress neben kurzfristigen Folgen wie Anspannung oder Gereiztheit auch zu mittel-und langfristigen Beeinträchtigungen führen.

 

Sind auf physiologischer Ebene u.a. Herz-Kreislaufstörungen oder Diabetes als Folgeerkrankungen von chronischem Stress bekannt, kann sich Stress auf behavioraler Ebene durch vermehrte Fehlzeiten am Arbeitsplatz, soziale Isolation oder schwerwiegende Partnerschaftskonflikte ausdrücken. Neben den genannten Stressfolgen auf physiologischer und behavioraler Ebene kommt Stress als mitverursachender Bedingung bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen große Bedeutung zu. Im Rahmen der sog. Diathese-Stress-Modelle wird die Entstehung psychischer Störungen als Funktion dreier Komponenten verstanden. Neben der allgemeinen Anspannung wird die Störungsentstehung durch aktuelle Stressoren und eine individuelle Toleranzschwelle bestimmt. Wird diese subjektive Schwelle überschritten, kommt es in Interaktion mit anderen bedeutsamen Faktoren zum Ausbruch störungsspezifischer Symptome. Die Bedeutung von Stress für die Entstehung psychischer Störungen ist sowohl für somatische Erkrankungen wie Migräne, jedoch auch für schwerwiegende psychische Störungen wie Schizophrenie anerkannt. Wird Stress im Rahmen psychischer Störungen als eine Einflussgröße unter anderen betrachtet, ist seine Bedeutung als wesentlich begünstigende Bedingung bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen nicht zu unterschätzen. Der Stressprävention sowie Stärkung und Förderung von Copingressourcen sollte daher im Rahmen von Interventionen zur Stressbewältigung große Bedeutung zukommen.


Dieser Artikel wurde geschrieben von Luisa Solms, Content Editor bei Spingest

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