Narzissmus brennt aus

© Rike / pixelio.de
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Narzissmus nennt man im Allgemeinen "übersteigerte Selbstliebe". Dabei hat dieses Verhalten und seine Ursachen nichts mit Liebe zu tun, weder sich noch anderen gegenüber. Zu lieben bedeutet, jemanden - und damit auch sich selbst - so zu nehmen, wie er ist. Und gerade das können Narzissten nicht...


Sie bilden sich ein, immer und überall die Besten zu sein, die einzig Wahren, denen niemand das Wasser reichen kann. Sie leben in der Wahnvorstellung, sie seien perfekt (das haben sie den Perfektionisten "voraus"). Und: Der Erfolg gibt ihnen Recht, was ihr scheinbares Selbstbewusstsein noch steigert.

Folglich können die Fehler nur bei anderen liegen, und genau das sagen Narzissten diesen Menschen auch auf den Kopf zu. Man nennt sie daher "entwaffnend ehrlich".

Die Ursache für den Narzissmus sehen Forscher in der Kindheit: Narzissten bekamen als Kind gar keine oder fast ausschließlich negative Aufmerksamkeit. Oft mussten sie schon in jungen Jahren die Kriterien eines Erwachsenen erfüllen, und die viel zu hohen Erwartungen der Eltern zogen sich durch die ganze Kindheit.

Die übersteigerte Selbstdarstellung eines Narzissten dient dazu, die negativen Erfahrungen aus der Kindheit zu kompensieren. Dementsprechend neigt er zu Aggression, wenn die "ihm gebührende" Anerkennung ausbleibt, und kann so gut wie gar nicht mit Kritik umgehen, schließlich sind ja immer die anderen schuld. Sie können auch nicht anders, denn, genau wie seine Eltern an ihn, so legt er an seine Umwelt (auch an die eigenen Kinder) viel zu hohe Erwartungen an.  Wie der Herr, so's Gescherr...

Ähnlich wie Perfektionisten leben Narzissten also in einen ständigen Kampf um Anerkennung (führen einen regelrechten Affentanz um Akzeptanz auf). Weil sich Ihre Vorstellungswelt im Kopf abspielt, merken sie nicht, wie ihr Körper allmählich ausbrennt. Hinzu kommt in den meisten Fällen der Griff zu Alkohol und Drogen, um den harten Kampf ums Dasein täglich überstehen zu können.

Oftmals ist es bei Narzissten aber nicht der körperliche Kollaps, der sie in die Therapie treibt. Meisten sind es z. B. die Entlassung (weil sie ja doch nicht so toll sind) oder die Scheidung oder die Androhung einer solchen seitens der Partnerin, Dinge also, die an ihrem Selbstbild rütteln. Aber ein Narzisst wäre ja kein Narzisst, wenn er in einem solchen Fall nicht die Schuld bei seinem Chef bzw. bei seiner Frau finden würde.

Dementsprechend ist es auch für einen Therapeuten schwierig, mit einem Narzissten zu arbeiten. Denn dieser macht ihn allein für den Erfolg der Therapie verantwortlich und gibt ihm die Schuld, falls die Therapie (oder der Therapeut) nicht in seinem Sinne funktioniert. Denn gerade hier fehlt dem Narzissten die eine Einsicht: So wie sonst in seinem Leben ist er auch hier für den Erfolg selbst zuständig. Jeder ist seines Glückes Schmied, auch in der Therapie.

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